Hier findest du kleine Tipps, Tricks und Anekdoten aus meinem täglichen Leben mit zwei ganz besonderen Hunden, sowie aus meinem Alltag als Hundetrainerin

von Miriam Hack _

Was uns die Handlungen unserer Hunde eigentlich sagen:

Kennt ihr das?
Ihr geht Gassi und wollt euch und den Hund bewegen. Und dann steht er und schaut, oder grast, oder buddelt..

Und in euch steigt vielleicht Ungeduld auf.

Das war nicht euer Plan.

Vielleicht habt ihr eine bestimmte Runde im Kopf, die ihr schaffen wollt.

Wenn wir morgens Gassi gehen, geht Niara immer erstmal an eine bestimmte Stelle am Fluss und grast. Lange.

Je nachdem wie ich drauf bin merke ich, dass mich diese Minuten ein wenig nerven.

ABER.

Ich habe festgestellt, dass Niara mich dadurch jeden Morgen an eine Stelle führt, an der ich besonders gut das Rauschen des Flusses hören kann. Und das beruhigt mein Nervensystem.

Ich darf mich nach Nächten mit Baby jeden Morgen dort auftanken und dem Fluss zuhören.

Ich DARF. Nicht, ich muss rumstehen. 😉

Ich beobachte so etwas bei Hunden und ihren Menschen oft. Ihr vielleicht auch? 😀

von Miriam Hack _

Sich berühren lassen

Das Leben mit Hunden bietet aus meiner Sicht eine gigantische Palette an Erfahrungen und Emotionen.
Es kann einfach der Hund sein, der nebenher läuft und entweder ein cooler Typ ist oder nervt.
Es kann aber auch der Hund sein, der ein Lebens Lehrmeister ist, der das Herz schon fast schmerzhaft tief berührt, der wieder Lachen schenkt und manchen sogar Lebenssinn.

Die Hündin unserer Nachbarin ist inzwischen sehr alt und krank und immer wieder treffe ich unsere Nachbarin mit verweinten Augen, weil sie sich Sorgen um ihre Hündin macht.
Gestern habe ich sie getroffen, als sie Rasen gemäht hat und ihre Hündin in einem Tragetuch um sich gebunden hatte. Die Hündin war wie ein Baby mit dem Gesicht abgetaucht und schlief in ihrem Pulli. (wir reden hier von einem chihuahua, nicht von einem Bernhardiner)
Etwas wird in meiner Nachbarin zerbrechen wenn ihre Hündin stirbt und ich kenne das, weil der Abschied von meiner Seelenhündin damals ein kleiner Tod war. Und dabei durfte ich sie erst ab ihrem 9. Lebensjahr begleiten, also hatte kein ganzes Hundeleben mit ihr Zeit.

Ich persönlich empfinde es so, dass Hunde unterschiedlich berühren – es gibt Seelenhunde und es gibt andere, wertvolle Begleiter.
Gleichzeitig hängt es aber auch eben davon ab, wie tief man Hunde in sich hineinlässt und wie sehr man bereit ist ihnen zuzuhören.
„Nur ein Hund“ oder so viel mehr, das liegt auch an uns.
Unsere Welt wird immer schnelllebiger und ich hoffe, wir verlieren nicht die Fähigkeit, uns von Hunden berühren und entschleunigen zu lassen.

von Miriam Hack _

Wann startet der Gassigang?

Wann startet der Gassigang?

Wenn es mit unserem Hund gut läuft, ist jeder Gassigang ein Geschenk für uns. Wir kommen an die frische Luft, haben Bewegung und Freude. Wir können uns mit unserem Hund und der Natur verbinden und durchatmen.
Aber egal, ob uns der Gassigang ganz viel gibt oder nicht – eigentlich gehen wir für unseren Hund raus.
Und DAS darf man im Hinterkopf behalten. Es ist seine Zeit.

Was sich ein Hund nicht wünscht, ist gestresstes Fertigmachen zum Rausgehen.
Hund hetzen, alles schnell zusammenkramen, raus, dann vielleicht sogar noch innerlich Gehetzt sein weil man sich eine bestimmte Strecke vorgenommen hat und wir Menschen haben leider nicht unbegrenzte Zeit für sowas zur Verfügung.

Die Zeit für unseren Hund startet nicht, wenn wir auf dem Feld stehen und die Leine abmachen!
Nicht das „lauf“, mit dem man den Hund eventuell von sich wegschickt damit er endlich Spaß hat (wovon ich überhaupt nichts halte) startet seine Zeit – die startet bein Heranrufen fürs Gassi gehen!
Auch hier darf man sich Zeit nehmen.
Halsband oder Geschirr so anziehen, dass sich der Hund nicht unwohl fühlt (zB durch unangenehmes über ihn beugen, was für manche Hunde schrecklich ist, manchen macht es dagegen gar nichts aus).
Leine so dranklicken, dass sie ihm nicht ausversehen ins Gesicht schlägt (1000 Mal gesehen, auch dass der Hund blinzelt weil die Leine nervig vor seinem Gesicht rumfuchtelt) und dass kein Karabiner an den Hundekörper schlägt.
Den Hund eventuell nochmal wertschätzend abstreichen, wenn er das mag.
Sich nicht von der Aufregung des Hundes hetzen lassen, gleichzeitig nicht den Hund hetzen („komm jetzt“).
Das hier ist eure gemeinsame Qualitätszeit!

Und dann kommt der Gassigang, der für den Hund da ist, der bitte auch mal Hundekram machen darf. 🙂
Schnüffeln!! Etwas anschauen und sich ein Bild davon machen. Sich wälzen, wenn es nur in Erde ist. Trödeln, fetzen, Gras fressen, mal eine interessante Strecke laufen. Hund sein.

Und was sich ein Hund ganz unbedingt auch wünscht ist Verbindung mit seinem Menschen.
Blicke des Hundes wahrnehmen und beantworten (eventuell wünscht er sich gerade mehr Zeit, geschützt werden weil ihm etwas unangenehm ist, oder „nur“ Verbindung in Form von sich ansehen und angelächelt werden).
Die Welt gemeinsam erleben, statt getrennt voneinander sein Ding zu machen – viele Hunde geben sich frei, wenn der Mensch im Handy hängt statt beim Gassigang.. Und werden dann genervt daran erinnert, dass sie dem Menschen folgen sollen. Wohin? In die Cyberworld? 😉

Tief atmen nicht vergessen, schöne Augenblicke sammeln, den Blick auf das kleine Besondere richten.. Das wünsche ich mir von den Menschen auf ihren Hunderunden.

hdrpl

von Miriam Hack _

Namasté

Ein perfekter Herbsttag. Die Sonne scheint auf bunte Blätter. Die Menschen sind gut gelaunt und grüßen sich mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Sie nehmen sich viel Zeit, mit ihren Hunden spazieren zu gehen.

Unvermittelt sehe ich, wie eine Hundehalterin stark am Halsband ihres Hundes ruckt, weil dieser sie langsam überholt. Der Hund zuckt zurück. Er läuft mit rundem Rücken und gestelltem Fell vorsichtig weiter.

Die Szene irritiert mich in der Idylle, vor allem weil die Frau den Hund ansonsten kein bisschen beachtet, aber freundlich alle Menschen grüßt die sie trifft. Nur wenige Meter exakt dasselbe Bild. Nur wird hier stark am Hund geruckt weil er sich nicht von selbst hinsetzt, als wir mit dem Auto vorbeifahren. Gewartet hat er.

So lief es gestern, als wir zu einer schönen Gassistrecke gefahren sind. Mir scheint, eine neue Hundeschule hat sich etabliert, weil mir das Verhalten der Hundehalter so geballt und identisch aufgefallen ist. So, wie die Hundehalter aussahen, haben sie das mit bestem Gewissen gemacht. Sie wirkten nicht frustriert oder hilflos, sondern entspannt und selbstbewusst.

Ich frage mich, wie die Hunde diese Spaziergänge wahrnehmen. Ich könnte mir nicht vorstellen, nur auf leisen Pfoten zu gehen, um bloß nicht ohne Vorwarnung zurückgerissen zu werden. Ich rede hier nicht von Leinenimpulsen oder ähnlichem, sondern dem „guten alten“ klassischen Leinenruck.

Wir haben inzwischen wirklich mehr als genug an der Hand, um eine lockere Leine herzustellen! Ist das wirklich die Art von Beziehung, die man zu seinem Hund möchte?

Es ist definitiv möglich, jeden Hund an eine lockere Leine zu gewöhnen, wenn man fleißig und konsequent ist und ggf. mehrere Methoden ausprobiert – und zwar auf eine Weise, bei welcher der Hund weiterhin gern an der Seite seines Menschen ist und den Glanz in seinen Augen nicht verliert.

Lassen wir die Herbstidylle auch für unsere Hunde gelten!

von Miriam Hack _

Fair sein

Dino hat vor Jahren leider entschieden, sein Wohlbefinden an meines zu koppeln. Das ist im Alltag ein wertvoller Spiegel, weil mir Dino zeigt wenn ich nicht in meiner Mitte bin. Es gibt allerdings Lebensphasen, da ist das immens unpraktisch für uns – so wie jetzt. Ich bin schwanger und Dino dadurch ganz schön aus dem Tritt. Abgesehen davon dass er merkt, dass ich nicht fit bin, führe ich Hunde schlechter wenn ich schwanger bin. Ich bin nicht so präsent, eher unkonzentriert und habe auch schlichtweg weniger Muße dazu. Nun habe ich Hunde, die meine Führung brauchen und eine Menge Unsinn machen, wenn sie fehlt.

Das kann jedem mal so gehen – jeder kann Phasen haben, in denen er weniger präsent und „auf Zack“ ist. Das ist nicht schlimm! Schlimm ist nur, wenn man es am Hund auslässt. Es ist unerlässlich, klug zu managen was in so einer Phase geht und was eben nicht. Und es braucht die Fairness, nicht genervt zu sein wenn der Hund auffälliger ist als sonst.

Dino und ich waren heute bei einer Krimiwanderung/Schnitzeljagd am Start. Ich habe auf genug Abstand geachtet, damit Grummeldino nicht ständig die anderen Hunde anstänkert. Klar konnte ich dadurch nicht alles mitmachen, aber trotzdem habe ich so eine Situation geschaffen in der Dino und ich an einem Event teilhaben konnten. Ich stehe aktuell absolut drüber, dass Dino echt schlechte Laune hat und das auch zeigt. Ist halt so und es ist auch ok so. Ich rucke deswegen nicht genervt an der Leine, pampe ihn nicht frustig an und es gibt eine Menge Leberwurst als Management, um gut durch Situationen zu kommen.

Und so sind Dino und ich jetzt auf der Heimfahrt und immer noch die selben Freunde wie vorher – nicht genervt voneinander, in einer fairen Beziehung zueinander… Und gut ausgelastet.

Die Krimiwanderung war trotzdem aaabsolut bereichernd für mich und ich kann ein solches Event absolut jedem empfehlen – es geht wie man sieht auch mit Special Effect Hunden, wenn man umsichtig ist.

von Miriam Hack _

Hunde und Kinder

Ich hatte heute ein Gespräch mit einer Mutter, die keine Hunde hat. Sie sagte, sie könnte das nicht: Auch die Hunde priorisieren und ständig im Alltag so bedacht auf ihre Bedürfnisse zu sein. Das Kind käme doch an erster Stelle.
Es ging in unserem Fall v.a. darum, dass die Hunde in unserem Wohnzimmer ihren Rückzugsort haben und deshalb kein Spielplatz für unser Kind dort ist.

Dazu möchte ich unbedingt etwas sagen:
Zum einen ist es natürlich eine Sache von Fairness, Hunde nicht zurückzustellen weil die Familie wächst und sie einfach permanent mit der Lautstärke und dem Trubel eines Kindes zu konfrontieren. Es ist aber auch FÜR das Kind, wenn man Familienhunden Ruhezeiten und -zonen garantiert und darauf achtet, dass sie nicht zu kurz kommen. Es verhindert Überreizung und Eifersucht.
Und ein Hund, der total drüber ist weil er immer gestört und belästigt wird und evtl. sogar zusätzlich in seinen Bedürfnissen (wie ausgedehnte Gassigänge oder einen Gartenbereich) zurückgestellt wird, der kann zur Gefahr für das Kind werden.
Hunde brauchen eine unfassbare Geduld mit Kleinkindern. Es ist laut, sie werden bedrängt (und wenn das Kind nur aus versehen über den Schwanz läuft oder aus versehen etwas auf den Hund wirft), usw.
Damit sie diese Geduld gewährleisten können, muss ihr Tank voll sein. Sonst ist die Lunte irgendwann so kurz, dass sie eben doch schnappen.

So oder so: Familie schließt ALLE Mitglieder mit ein, auch die Hunde! Und jeder sollte in einer Familie gesehen werden und viel wert sein.

von Miriam Hack _

Hunde kommen tendenziell immer schlechter zur Ruhe

Das Ding ist… Menschen kommen tendenziell auch immer schlechter zur Ruhe. Wir haben 1000 To Do’s im Kopf, viele Termine und ein Smartphone, das permanent durch geschickte Algorithmen unsere Aufmerksamkeit einfängt.

Bist du gut darin, mal NICHTS zu tun? Und mit „nichts“ meine ich nicht Netflix and chill oder scrollen durch Instagram, ich meine nicht spazieren gehen oder ein Buch lesen. Sondern wirklich NICHTS. Dasitzen oder daliegen und mal 2 Minuten die Ruhe genießen. Oder… Die Ruhe aushalten. Denn wenn man das nicht mehr gewohnt ist, bekommt man tatsächlich Entzugserscheinungen. Der Verstand spuckt plötzlich lauter Erinnerungen aus (ach ich wollte ja noch, ach ich könnte,…), damit man sich wieder beschäftigt. Man muss Ruhe also manchmal erst wieder lernen, sie sich zurückerobern. Damit klarkommen, mal wieder mit sich alleine zu sein und zu merken, wie es einem gerade geht. Tatsächlich ist es sogar effizient solche Ruheminuten in den Tag einzubauen, weil man sich eben plötzlich an so viel erinnert. Statt dann aufzuspringen und sofort einem to do hinterherzurennen, kann man dem Verstand sagen „Danke fürs erinnern, bitte melde mir das nochmal in 10 Minuten. Jetzt legen wir die Notiz nochmal beiseite.“

Wenn wir durchs Leben jagen, dann jagen wir auch unsere Hunde da durch. Damit meine ich nicht nur den Terminkalender, sondern auch die Stimmung. Hunde sind Seismographen, sie spüren unsere Stimmung und das macht etwas mit ihnen. Entweder im Großen, oder im Kleinen. Manche Hunde sorgen für sich und entfernen sich etwas von ihrem Menschen, andere werden innerlich unruhig, manche können es auch wieder loslassen. Je nach Hund. Wenn wir auf die Unruhe blicken, die wir bei vielen Hunden sehen können, dann befarf es auch eines Blickes auf die Unruhe in uns Menschen.

Nimm dir 2 Minuten und tue NICHTS. Und schau mal, was das mit dir macht.

von Miriam Hack _

Hunde als Lehrer

Wir machen gerade Urlaub in unserem früheren Wohnort. Hier haben wir mit Dino gelebt, als er noch ein Wahnsinniger war. Heute Abend bin ich alleine mit ihm unsere frühere Gassirunde gegangen und zwar an lockerer Leine, ohne dass ich irgendwas tun musste. Im Freilauf immer nah bei mir, perfekt abrufbar, einfach ein toller Begleiter. Da tauchten natürlich Bilder in meiner Erinnerung auf, wie er früher war. Dino hat mich an den Rand des Wahnsinns getrieben. Ich habe nach seiner Adoption damals viel geweint und dachte, ich schaffe diesen Hund nicht. Und jetzt sind wir hier. Verbunden und entspannt.

Zwei Sachen hat mir das heute gezeigt.

1. Die anstrengendsten Hunde sind oft unsere größten Lehrmeister. Dino hat grundsätzlich immer alles über den Haufen geworfen, das ich gelernt hatte. Ich hatte in meinen Fortbildungen gelernt, dass Hunde im neuen Zuhause gleich Grenzen und viel Führung brauchen. Mein Bauchgefühl sagte mir aber schnell, dass Dino etwas anderes braucht: Nähe. Verständnis. Bedingungslose Liebe. Zusätzlich zu meinem Bauchgefühl sagte es mir auch Dino selbst, der mir wirklich um die Ohren flog. Man kann sich kaum vorstellen, wie laut und penetrant ein Hund sagen kann ICH WERDE MICH NICHT BEGRENZEN LASSEN! Dino war so verloren und wurde so oft abgelehnt (er war 1,5 als er zu uns kam und wurde vor uns bereits VIERMAL vermittelt), dass er selbst alles ablehnte. Tief drin wollte er unbedingt gehalten werden. Auch im späteren Zusammenleben ging alles schief, was bei mir zuvor immer geklappt und was ich sogar schon gelehrt hatte. Dieser Hund sagte einfach immer NEIN zu mir. Bis ich neue Wege ging – und mit dem Öffnen der ersten Leckerlipackung meines Lebens öffnete sich Dinos Herz und er sagte endlich ja. Dino lehrte mich auch im Weiteren so viel über Bauchgefühl, neue Wege gehen und immer wieder Demut vor der inneren Kraft eines Terriers. Wer gerade mit einem Wahnsinnigen leben darf, der lernt also fürs Leben!

2. Zeit wird als Ressource oft völlig unterschätzt. Entwicklung braucht Zeit. Hunde haben auch ein Recht darauf, dass man ihnen Zeit gibt – mal ehrlich, wie schnell entwickeln wir uns weiter? Dino wird im November acht Jahre alt – natürlich ist er gemäßigter geworden, er wird älter. Zeit ist nicht die einzige Komponente, aber eine wichtige! Der Druck, dass ein Hund nicht auffallen darf, das Training sofort klappen muss und der Hund doch kapieren muss was man von ihm will – der tut weder dem Hund gut, noch uns selbst. Wir müssen uns und unsere Hunde annehmen, statt sie zu bekämpfen.

Die gute Nachricht ist ja: Es gibt uns Hundetrainer, die als Wegweiser und Wegbegleiter dienen können. Aber wir laufen Marathons, keine Sprints.

von Miriam Hack _

Was wir in unseren Hunden sehen

Als wir Dino aus dem Tierheim geholt haben hatten wir ein Aufklärungsgespräch, dass er nicht zu Personen mit Kinderwunsch vermittelt wird. Er war ganz schön explosiv und hat schnell in Hände und Füße geschnappt. Kein Problem, wir wollten damals auch keine Kinder (ups). Sicherlich wäre Dino unsere Familie ohne Kind auch lieber, das mag ich gar nicht schön reden. Er wächst aber auch daran, genau wie unser Vertrauen zueinander wächst. Mich stellt es als Mama durchaus auf die Probe, dass einer meiner Hunde anfängt mein Kind anzuknurren wenn ich falsch handle. Wir hatten zwei solche Phasen. Inzwischen kann Liandra frontal freudig kreischend auf Dino zurennen und KUSCHELN!!! schreien und er bleibt entspannt. Kein Knurren, kein Anspannen, er zuckt nicht mal mit der Wimper.

Warum?

Weil er zu 1000% weiß, dass ich genau das was Liandra möchte NICHT zulasse. Dass ich zur Stelle bin und mich rechtzeitig dazwischen positioniere. Liandra weiß – meistens, außer sie wird akut von Liebe geflutet – dass sie sich langsam nähern und nicht einfach irgendwo hin packen soll.

Darum solls heute aber gar nicht so ausführlich gehen, sondern um meinen zweiten Aspekt: Dem Vertrauen zwischen Dino und mir. Er vertraut mir noch mehr, weil ich zuverlässig bin und seine Bedürfnisse im Blick habe. Das allein würde bei uns aber nicht reichen. Der zweite Aspekt ist: ICH vertraue IHM und ich muss es auch. Denn wenn ich zu viel Abstand von Liandra und Dino verlange, wird er blöd. Ich lebe jetzt seit 6 Jahren mit diesem Hund und ich weiß nicht nur, wie unmöglich er sein kann, sondern auch, wie toll er sein kann. DIESE Seite muss ich füttern.

Du wirst, was deine Mitmenschen und du am meisten in dir sehen. Dein Hund wird, was du am meisten in ihm siehst.

Damit meine ich kein verblendetes Übersehen von Tendenzen, die man unbedingt im Blick haben und bearbeiten muss! Sondern ich meine die Grundpersönlichkeit. Dino ist hochgradig mutig und loyal. Er ist tief drinnen butterweich, gleichzeitig aber bereit in jeden Krieg zu ziehen – Valhalla wartet jeden Tag um die Ecke. Wenn ich nur den lauten, offensiven Dino sehe, spreche ich auch nur mit diesem Teil von ihm. Und wer weiß, vielleicht vergisst ein Hund dann sogar irgendwann, wer er noch ist.

Geht uns das nicht auch manchmal so? Wissen alle Extrovertierten unter uns noch, dass sie eigentlich extrovertiert sind und nur aufgrund von schlechten Erfahrungen still geworden sind? Wissen alle Introvertierten unter uns noch, dass sie eigentlich introvertiert sind und Lautstärke als Schutz (Fiddlen) gelernt haben? Ich kann zum Beispiel bei meiner Tochter beobachten dass es manche Menschen negativ werten, dass sie nicht sofort auf jeden Arm springt, sondern Zeit braucht um aufzutauen. Wenn wir als Eltern sie ständig pushen würden, würde sie irgendwann lernen dass sie nicht okay ist und sich anders verhalten muss. Und irgendwann hätte sie evtl keinen Bezug mehr zu ihren eigentlichen Bedürfnissen.

Noch ein anderes Hundebeispiel.

Meine erste Tierschutzhündin Laini hieß ursprünglich Peggy. Peggy hat ziemlich unvorhersehbar nach Menschen geschnappt. Das war extrem herausfordernd für mich, weil sie engen Kontakt gesucht hat… Und ihr dann aber die Nerven durchgegangen sind. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich sie umbenennen muss, um nicht ständig den traumatisierten und gefährlichen Tierschutzhund in ihr zu sehen. Sie hieß ab dann Laini, was übersetzt die Sanfte, die Weiche bedeutet. Denn das war sie. Unter ihrer Schale. Das heißt nicht, dass ich plötzlich blauäugig wurde, aber ich habe ihre andere Seite hervorgehoben und angesprochen. Das hat viel mit uns beiden gemacht.

Sprecht mit dem Wesenskern eures Hundes, nicht mit dem, was er aufgrund von Stress, Traumata, etc. oben drauf gepackt hat. Er braucht euch, damit er er selbst sein kann.

von Miriam Hack _

Kleine Erinnerung... Er hat nur dich!

Es regnet. Trotzdem läuft unser Nachbar mit seinen drei Hunden. Er hat ein steifes Bein und kann nur sehr langsam gehen. Er ist alt und wäre vielleicht lieber zuhause im Warmen. Aber er weiß: Seine Hunde brauchen ihn. Sie sind von ihm abhängig und davon, was er mit ihnen macht… Oder eben nicht.

So geht es auch deinem Hund.

Es kann schön sein, mal einen Gammeltag mit dir auf der Couch zu verbringen. Aber nutze das Wetter nicht als Entschuldigung bzw. Ausrede, um deinen Hund zu wenig zu bewegen. Sein Körper braucht Bewegung und sein Kopf braucht Erlebnisse. Er möchte etwas sehen und va viel schnüffeln.

Einen Hund zu sich zu nehmen bedeutet Verantwortung zu tragen, auch wenn sie mal unbequem ist. Dein Hund kann seinen Alltag nicht frei gestalten, die Verantwortung dafür liegt in deinen Händen.

Und es tut sogar gut, sich aufzuraffen! Viel frische Luft zu schnappen. Sich zu bewegen. Gebraucht zu werden gibt deinem Leben so viel Sinn!

von Miriam Hack _

Für jedes Problem eine passende Lösung?

Ich liebe es, über den Tellerrand hinaus zu blicken. Zu oft steckt man fest, weil man mit dem bisherigen Problemlösungsverhalten nicht weiterkommt. Zu oft resigniert man oder geht in den Kampf, statt verrückt und kreativ zu denken.

Ein Problem, was eigentlich jeder bei uns im Dorf hat: Der Hund bellt am Gartenzaun. Die achselzuckende Aussage: „Hab schon alles versucht, nichts hat was gebracht. So isser halt.

An dieser Stelle sei gesagt: Willkommen auf dem Dorf!

Für manche (!) Hunde kann das total okay sein. Wir haben hier Hunde die chillen im Garten ihr Leben und sind zu 1000% glücklicher, als drinnen Däumchen zu drehen. Wenn etwas am Grundstück ist, was sie stört (meistens geht es nur um Artgenossen) bellen sie, manche laufen noch bis an den Zaun andere nicht. Danach geht’s zurück in den Dösen-Modus. Es stört die Halter nicht, es stresst die Hunde nicht, eventuell stört es die Nachbarn das kann ich nicht beurteilen. Falls es auch die nicht stört und die Hunde keinerlei andere Auffälligkeiten entwickeln: So what? Lasst sie bellen.

Es gibt aber auch die Hunde, die überfordert und gestresst sind. Die im schlimmsten Fall eine Bell Stereotypie entwickeln. Es gibt die Hunde, die ohne ausreichend Management die Information ableiten „ich bin für das Grundstück verantwortlich, ich muss aufpassen, ich muss entscheiden wer/was ok ist“ und die deshalb eine territoriale Aggression entwickeln. Es gibt Halter, die das Bellen nervt und die es wirklich gern abstellen würden wenn sie nur wüssten wie.

Zurück ins Studio zu „ich habe ja alles probiert, aber es hilft einfach nichts.“

„ALLES“ bedeutet normalerweise: Mit Futter abgelenkt, irgendwie fürs Bellen bestraft, extra zu den Fremden hingelassen, extra NICHT zu den Fremden hingelassen. Eventuell (nicht auf dem dorfigsten Dorf, aber anderswo) wurde noch ein Hundetrainer hinzugezogen, vielleicht sogar zwei, aber die konnten auch nicht helfen.

Szenario A

Nun könnte es ja sein, dass der dritte Trainer hilft. Ich bin zB durchschnittlich der fünfte Trainer, den die Hundehalter aufsuchen. Vielleicht wars einfach noch nicht der richtige. KEIN Trainer hat für jeden Hund und jeden Mensch die richtige Lösung in Petto.

Aber vielleicht scheidet diese Option ja aus. Man hat kein Geld, oder keine Zeit, oder man will einfach nicht mehr. Sind wir jetzt doch am Ende angelangt?

NEIN!

Szenario B

Man könnte sich entscheiden, den Hund nur noch an der Schleppleine in den Garten zu lassen, um ihn unter Kontrolle zu haben. Oder ihn gezielt zu Zeiten rauszulassen, wenn wenig los ist. Oder ihn gar nicht mehr in den Garten lassen und dafür öfter mit ihm in der Natur verweilen. Es sollte jedenfalls ein Ausgleich für den Hund geschaffen werden. Ich persönlich hatte übrigens lange Zeit keinen Garten und habe Arbeiten am Laptop im Sommer immer mit Hund im Grünen erledigt. Dafür herrscht dann zuhause Ruhe und der Hund kann mit gutem Gewissen drinnen gelassen werden.

Vielleicht ist das aber auch nicht die passende Lösung, weil man ja extra ein Haus mit Garten für den Hund hat und so hat man sich das einfach nicht vorgestellt.

Ende schlecht, alles schlecht?

Szenario C

Wäre ein Sichtschutz vielleicht eine Option? Ein wirklich dichter, damit der Hund zumindest nichts mehr sieht? Selbst wenn es an Geld fehlt, gibt es gaaanz viele verschiedene Möglichkeiten, doch an einen Sichtschutz zu kommen.

Ein paar Beispiele:

Do it yourself. Kostenloses Material sammeln und selbst bauen. Tauschgeschäft anvisieren: Jemand anderes macht den Sichtschutz selbst, dafür bekommt er zur Gegenleistung irgendwas das er gebrauchen kann. Man zahlt den Sichtschutz in Raten. Man verwendet nur in einem Teil des Gartens Sichtschutz und der Hund darf nur diesen Teil nutzen. Man macht sich schlau, welche Pflanzen schnell wachsen und dicht sind.

Vielleicht möchte man aber keine visuelle Mauer ziehen oder hat wirklich kein Geld dafür. Dann könnte man immer noch weitere Möglichkeiten finden! Kürzen wir an dieser Stelle mal ab und ich beschreibe nur noch ein letztes Szenario.

Szenario D

Man übt sich darin, cool zu bleiben wenn der Hund bellt. Was für eine super Entwicklungsaufgabe, sich davon nicht stören zu lassen! Dieser Ansatz sollte zwingend mit einer guten Nachbarschaftspolitik einhergehen. 😉 Es macht schon viel, wenn man dem Nachbarn freundlich winkt und hallo sagt während der Hund bellt, je nach Lärmpegel kann man noch ein paar Sätze wechseln. Man kann Kuchen zu den Nachbarn bringen und sich entschuldigen. Erzählen, was man sich für einen Kopf macht und was man schon alles versucht hat. Insgesamt freundlich auf die Nachbarn zugehen.

Du merkst worauf ich hinaus will, oder? Ich behaupte frech, es gibt für JEDES Problem MINDESTENS 10 Lösungen, an die die betroffene Person noch nicht gedacht hat.

Man könnte sich gut mit Freunden über scheinbar unlösbare Probleme austauschen, denn jeder Kopf denkt in eine andere Richtung kreativ. In diesem Fall nur bitte klar formulieren dass es nicht um eine Belehrung geht, sondern um ein gemeinsames Öffnen der Box, um über ihren Rand hinaus zu schauen. 😊

von Miriam Hack _

„Welpenstube Winkel”

Ich kläre manchmal darüber auf, was man bei Tierschutzhunden beachten sollte. Auf welchem Weg man einen Tierschutzhund am besten zu sich holt und auf welchem nicht. Manchmal nehmen mich Menschen mit in Tierheime oder schicken mir online Anzeigen und wir suchen zusammen den passenden Hund. Manchmal begleite ich Menschen auch dabei, sich einen Welpen auszusuchen und ihm einen guten Start zu gestalten. Ab und an schreibe ich deswegen auch über gute und schlechte Züchter oder über meine Erfahrungen, als ich Chihuahua und Mops Vermehrer in Österreich durch einen Nebenjob kennen gelernt (und angezeigt) habe.

Was mir komplett unter dem Radar geblieben ist, ist die „Welpenstube Winkel“. Ich kannte und kritisierte Zoo Zajac mit seinem Welpenhandel, aber DAS in Dorsten sprengt alles. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen und wo ich enden soll.

Aktuell finde ich auf der Webseite zB Vizsla und Jack Russell Welpen. WARUM? Warum Jagdhunde anpreisen, für die man wirklich Ahnung haben und sie gut fördern sollte? Mal abgesehen von den Rassen – niemals kann ein Hundesupermarkt Welpen so sozialisieren und habituieren (an unbelebte Reize gewöhnen), dass sie sich total unkompliziert in eine Familie eingewöhnen. Da es in jedem Wurf unterschiedliche Charaktere gibt, wird es muntere taffe Welpen geben, die ihr Leben später ohne Totalschaden verbringen. Aber es gibt eben auch unsichere Welpen und die bleiben hier komplett auf der Strecke. Es ist natürlich nicht ruhig im Hundesupermarkt, sondern da ist viel Trubel und Lärm.

Die Verkäufer sind natürlich zum verkaufen da und ich sehe eigentlich nur drei Szenarien:

– Ängstliche oder anderweitig auffällige Welpen werden unbedarft an Interessenten verkauft, die Mitleid haben und nicht wissen was auf sie zukommen wird

– Die Hunde bleiben im Supermarkt und werden irgendwann als Sonderangebote verkauft

– Zu problematische Hunde werden irgendwie entsorgt

Ich weiß das klingt alles absurd und man hat eine Stimme im Kopf die sagt „das kann nicht sein“, „das ist bestimmt alles gar nicht so schlimm wenn es erlaubt ist“. Ehrlich? Ihr wollt nicht wissen was ich in Zuchtstätten schon alles gesehen habe, was erlaubt ist. Ich bin frustriert, wie weitere Generationen an auffälligen Hunden herangezogen werden und wie unwissende Menschen ins Messer laufen. Noch frustrierter bin ich bei dem Gedanken, dass es mit Sicherheit nicht ausschließlich unwissende Menschen sind, die dort shoppen gehen.

von Miriam Hack _

Mein Rüde bellt, wenn es klingelt

Mein Rüde bellt, wenn es an der Tür klingelt. – Klingt an sich erstmal wie ein normaler Satz, oder? Wir haben Hunde dafür gezüchtet, dass sie auf unser Haus aufpassen. Bellen ist die Stimme der Hunde und JEDES andere Haustier darf NATÜRLICH Laute von sich geben.

Für mich war dieser Satz aber jahrelang ein riesiges Thema. Ich bin Hundetrainerin. Ich muss es doch hinbekommen, dass mein Hund ruhig ist. Ich weiß doch so viel über Verantwortungsbereiche. Wer begrüßt den Besuch zuerst, usw.

Ich habe wahnsinnig viel probiert. Dino war an der Leine, wenn Besuch kam. Ich habe Besuch draußen abgeholt und wir kamen gemeinsam rein. Dino bekam ein Kauteil, wenn es geklingelt hat (Erkenntnis: Es ist möglich, dass ein Hund mault und bellt und gleichzeitig ein Kauteil mampft). Es regnete Kekse. Dino wurde auf einem Platz begrenzt. Ich könnte noch eine Weile fortfahren.

Dabei sagten mir immer wieder Menschen, dass sie es gar nicht schlimm finden wie Dino sie anbellt. Unsere Hundephysio meinte sie kennt es viel schlimmer, wenn sie Hausbesuche macht.

Das Thema „Dino bellt, wenn jemand kommt“ wurde immer größer. Ich wurde immer angespannter und auch frustrierter.

Irgendwann hab ich losgelassen. Ich habe einfach akzeptiert dass es ist, wie es ist. Ich habe einfach einen Hund, der bellt wenn jemand kommt (übrigens auch wenn wir selbst nach Hause kommen).

Was soll ich sagen… Das Thema wurde immer kleiner. Dino bellt noch, aber viel gemäßigter. Der Druck ist weg, mein Fokus ist weg von dem Thema, ich bin entspannt. Gleichzeitig ist meine Realität vollkommen anders. Ich habe kein Problem mehr und die spannende Frage ist ja – gibt es jetzt überhaupt noch ein Problem? In der Regel mag jeder Besuch Dino und jeder sagt „ach Dinoooo“ oder „ja das ist halt Dino“. Der Besuch hat also kein Problem. Ich habe kein Problem. Dino hat nur etwa 2 Minuten lang ein Problem. Vorher hatten wir dank meinem Theater alle viel länger ein großes Problem.

Übrigens hat es sogar große Vorteile, dass Dino bellt – ohne dieses Verhalten hätten wir kürzlich gar nicht mitbekommen, dass die Feuerwehr schon IN unserem Haus steht und uns sucht. Dino stand einfach nur im Flur und bellte, er ging kein bisschen gegen den uniformierten Eindringling. Also danke Dino, dass du Bescheid sagst und danke, dass du einfach nur ein Hund bist, der Bescheid sagt (und eine eigene Meinung hat) – und nicht mehr.

Manchmal machen wir die Dinge schlimmer in unserem Kopf, als sie wirklich sind. Das Gute ist: Wir können unsere Gedanken und unsere Einstellung ändern.

So stand ich heute Eis essend an der Tür, als Besuch reinkam. Ohne Leckerlis, ohne Leine, ohne Problem. Dino bellte vielleicht dreimal… Und dann war die Welt wieder in Ordnung.

Was plappert dein Kopf so den lieben langen Tag? Könnte es sein, dass du an der ein oder anderen Stelle ein wenig loslassen und ein bisschen mehr atmen und lächeln darfst?

von Miriam Hack _

2024 - Hoffentlich ein Jahr der gesunden Mitte

In Deutschland geht es uns im Vergleich zu den meisten anderen Ländern ungemein gut. Wir können es uns erlauben, Hunde als Hobby zu halten. Sie müssen nicht für uns arbeiten, sie können einfach an unserer Seite leben.

Wir haben dann irgendwann festgestellt, dass sie sich langweilen. Sie waren so lange Zeit in Jobs, dass es schlichtweg kein Geschenk ist, 24/7 auf der Couch zu liegen.

Deshalb haben wir angefangen, sie zu bespaßen.

Leider haben wir die Erkenntnis nicht als Einladung gesehen, selbst wieder naturnaher zu leben und mit unserem Hund draußen umherzustreifen – wir haben künstliche Hobbies entwickelt. Irgendwann ist uns aufgefallen, dass unsere Hunde genauso gestresst sind wie wir. Sie kommen nicht mehr zur Ruhe, weil ihr Terminkalender voll ist und sie an der Seite von uns permanent gehetzten Menschen leben.

Deswegen haben wir sie entschleunigt.

Wir haben ihnen wieder Ruhe verordnet. Und weil wir Menschen dazu neigen, in Extremen zu denken, haben wir die Hunde damit halb wahnsinnig gemacht. Auch wir Menschen würden Entspannungszeiten auf der Couch genießen – Isolationshaft auf der Couch, weil man erst entspannt sein muss bevor man leben darf, würde dazu führen dass wir einen Lagerkoller bekommen.

Wir haben irgendwann gemerkt, dass Hunde andere Hunde brauchen weil sie nun mal Hunde sind. Anstatt einen natürlichen Umgang mit Begegnungen unterwegs zu üben (der natürlich auch herausfordernd ist, weil die Hunde da draußen immer komplizierter werden),

haben wir Hundespielplätze gebaut.

In wilden Horden durften unsere Hunde dort übereinander herfallen.

Bis uns auffiel, dass das selten wirklich entspannt und harmonisch aussieht. Deswegen haben wir dann propagiert, dass Hundekontakt Stress für die armen Hunde ist und

wir haben sie voreinander gerettet.

Wir haben Hundesprache gelernt und weil wir endlich Stress erkannt haben, haben wir die Hunde entstresst. Dass Monotonie wiederum Stress verursacht… Puh. Das steht auf einem anderen Blatt.

Wir haben Beschwichtigungssignale entdeckt und keine Grenzen mehr gesetzt, weil wir gesehen haben dass die Hunde beschwichtigen. Seitdem müssen wir beschwichtigen, weil die Hunde gelernt haben dass wir ihnen nichts mehr entgegensetzen.

Natürlich ist das alles nicht linear so verlaufen, wie ich es hier schreibe. Und natürlich ist das nicht bei jedem so. Fakt ist aber: Wir leben inzwischen so künstlich, so entfernt von unserer/der Natur, dass wir Konzepte für Hunde suchen – statt uns daran zu erinnern, dass Hunde HUNDE sind.

Sie wollen sich weder in unseren Wohnzimmern langweilen, noch wollen sie durch unser hektisches Leben geschleift werden. Sie wollen respektiert werden und sollen genauso uns respektieren. Sie nehmen die Welt mit der Nase wahr und wollen dafür natürlich Gelegenheiten haben, zu schnüffeln. Sie sind soziale Lebewesen und gleichzeitig Individuen.

Wenn man die Hundeszene in Deutschland beobachtet, kann man Trends verfolgen. Es ist toll, dass wir versuchen, Hunde glücklich zu machen. Sie sind unsere Familienmitglieder und wir wollen ihnen Gutes. Je weniger wir unser Herz und unseren Instinkt aber sprechen lassen und Hunden mit dem Kopf begegnen, desto eher reden wir an ihnen vorbei.

Die meisten Hunde leben weltweit betrachtet frei. Sie können umherstreunern und dösen ungemein viel, weil sie natürlich permanent Eindrücke erleben – selbst wenn sie rumliegen. Ich wünsche mir für die Hunde in Deutschland, dass sie in diesem Jahr Hunde sein dürfen. Dass man sich nicht permanent darin ausprobiert, in welche Richtung man sie am besten biegen kann. Dass man mal die Mitte im Umgang mit ihnen findet.

Wir können alle nur gewinnen, wenn wir Hunden ein natürlicheres Leben bieten – denn ganz ehrlich, würden wir uns nicht danach sehnen, würden wir uns doch keine Tiere ins Haus holen und sie darin einsperren.

Ein frohes Neues!

von Miriam Hack _

Wir müssen Hunde lesen können!

Dino ist gar nicht platt zu kriegen. Nach dem Gassi muss man noch eine halbe Stunde Ball mit ihm spielen, weil er rumrast und noch Energie abbauen muss.

Das wurde meinem Mann und mir damals im Tierheim gesagt. Das Personal wusste es schlichtweg nicht besser, ich mache ihnen daraus keinen Vorwurf! Aber NEIN, Dino war kein Energiebündel – er war völlig durch. Er wurde als Clown beschrieben – in Wahrheit haben wir hier keinen Schalk gesehen, sondern Stress.

Wir müssen immer hinter das gezeigte Verhalten schauen und uns fragen: Wer ist der Hund WIRKLICH?

Anfangs rannte Dino auf Spaziergängen große Kreise. Wenn wir nach Hause kamen, tobte er durchs ganze Haus. Das war Überforderung! Er war innerlich haltlos.

Das ist genau der Grund, warum meine Ausbildung zum Hundetrainer für Tierschutzmitarbeiter dauerhaft günstiger angeboten wird. Es mangelt ja nicht an dem Willen, sich fortzubilden, sondern oftmals eher an finanziellen Ressourcen. Und je mehr Hunde verstanden werden, desto besser kann ihnen wirklich geholfen werden!

Raserei und wilde Hektik sind ein Warnsignal und keine Charaktereigenschaft!

von Miriam Hack _

Lebst du schon oder trainierst du noch?

Vor 9 Jahren holte ich mein Sonderangebot aus dem Tierheim… Da war ich mit den Worten ins Tierheim gestapft „geben Sie mir den Hund, den keiner möchte“ – und hinaus ging ich mit Laini, die damals noch Peggy hieß. Peggy war nach ihrer Beschlagnahmung schon einmal vermittelt worden, musste nach 1,5 Jahren aber wieder ins Tierheim. Nicht weil sie unberechenbar nach Menschen schnappte, Panik beim Auto fahren bekam, gebrechlich war, oder so eigenwillig. Sondern, weil sie plötzlich die Dackel der neuen Halterin biss. Die etwa 65 Jährige wollte deshalb einen Hundetrainer holen, aber ihr Mann meinte sowas bringt doch nur im Fernsehen etwas.

Die Mutter meines damaligen Partners hatte auch einen schwierigen Hund. Der Bullterrier zog an der Leine und war komplett unverträglich. Er war halt so. Sie wäre gar nicht auf die Idee gekommen, dass man da was machen kann.

In meiner Wahrnehmung war es früher öfter so, dass Hunde halt so waren wie sie waren und ihre Macken hatten. Das war zwar schade, weil man sicherlich noch viel Stress hätte bearbeiten können – aber auf der anderen Seite war die Beziehung zwischen Hund und Mensch oft wahnsinnig innig. Jeder hatte Kanten und man war okay so.

Heute wissen wir dank Fernsehen, Youtube, Büchern, Zeitschriften und den zahlreichen Hundeschulen, dass man das Verhalten des Hundes beeinflussen kann. Das ist toll, weil man dem Hund und dem Mensch dadurch viel Stress nehmen kann. Aber ich habe auch das Gefühl, dass es da zu einem Realitätsverlust gekommen ist.

Wir können eben nicht jeden Hund mit jeder Rasse und jeder Vorgeschichte zu allem formen, was wir wollen – und wir sollten das auch gar nicht versuchen!

Muss jeder Hund in ein Leben in der Großstadt mit Vollzeitjob integrierbar sein? Muss jeder Hund aufhören zu bellen, wo übrigens ALLE anderen Tiere selbstverständlich ihre Stimme benutzen dürfen? Muss jeder Hund über Hürden hüpfen, auf den Weihnachtsmarkt mitkommen und den Postboten lieben?

Ich habe auch das Gefühl, dass man dadurch inzwischen manchmal dieses ehrliche tiefe Band ein wenig verliert. Denn der Hund ist noch ein Projekt, noch nicht gut genug, kann dies und das noch nicht.

Ich habe meine erste Hündin damals jahrelang nicht wirklich verstanden. Sie war wirklich ungemein verkorkst und wunderbar starrsinnig. Gleichzeitig aber auch unglaublich sanft und sie ging so tief in mein Herz. Für mich war es immer am wichtigsten, sie zu VERSTEHEN, damit es ihr und mir noch besser geht. Es ging nicht darum, sie zu ändern.

Kannst du dich so stehen lassen, annehmen und lieben, wie du bist? Und kannst du das deinem Hund geben?

von Miriam Hack _

Wir müssen reden.

Keiner von uns Hundesommer Trainern verurteilt die Entscheidung, einen Hund abzugeben. Ich habe selbst schon mehrere Hunde von Hundehaltern in ein tolles neues Zuhause vermittelt. Beide Seiten, Hund und Mensch, waren damit deutlich glücklicher.

Es häuft sich aber immer mehr, dass Hunde abgegeben werden, weil es einen Beißvorfall gab oder fast einen gegeben hätte.

Stop – das stimmt nicht ganz. Es wird VERSUCHT, die Hunde abzugeben. Und hier kommen wir zum Problem.

Es gibt keinen Platz mehr.

Wir haben in Deutschland eine so unfassbar lange Liste an Hunden, die auffällig geworden sind, ein neues Zuhause brauchen und keines finden. Weil es zu viele Hunde für zu wenig Menschen sind. Die Tierheime sind überfüllt und können kaum noch Hunde aufnehmen.

Ich möchte heute um etwas bitten.

1. Bitte informiert euch ausführlich, bevor ihr euch einen Hund anschafft. Überlegt euch gut, welche Rasse zu euch passt. Ob ein Welpe besser passt, oder ein „fertiger“ erwachsener Hund. Ob ihr einen Tierschutzhund mit Auffälligkeiten nehmen könnt, oder ob ihr lieber einen Tierschutzhund nehmt der ggf. andere Einschränkungen hat (leichte Behinderung, hohes Alter,…) aber dafür ein zuverlässig freundliches Verhalten zeigt.

2. Bitte sucht euch rechtzeitig Hilfe. Es ist kein Zeichen von Schwäche, sich von einer ausgebildeten Fachkraft unterstützen zu lassen. Ich weiß, Hundetraining wirkt sehr teuer (es WIRKT so, denn was bei uns Hundetrainern hängen bleibt ist nicht viel). Ich selbst habe mir als Studentin 60€ für Einzelstunden aus den Rippen geleiert und dafür an anderer Stelle große Abstriche gemacht. Aber es war notwendig und die einzig richtige Entscheidung. Wenn ihr am Anfang investiert, spart ihr euch evtl. enorme spätere Trainingskosten und ihr spart euch und eurem Hund viel Leid.

Nochmal: Wir verurteilen niemanden. Es ist manchmal eine viel vernünftigere Entscheidung und ein Zeichen von Liebe, sich zu trennen. Aber es hätte oft nicht so weit kommen müssen und ich wünsche mir so sehr, dass wir in Deutschland noch irgendwie die Notbremse ziehen können.

Wir müssen uns wieder klarmachen, dass wir Spezialisten gezüchtet haben und dass in Würfen von Arbeitsrassen Hundeindividuen auftauchen können, die sich NICHT für ein Leben in einer Familie oder bei einem Hundeanfänger eignen.

Wir müssen uns wieder klarmachen, dass Hunde HUNDE mit hündischen Bedürfnissen sind und dass wir all diese Bedürfnisse befriedigen müssen. Dazu zählt Auslastung genauso wie Ruhe, dazu zählt Führung genauso wie Freundschaft.

Wir müssen uns wieder klarmachen, dass es kaum erträglich ist das Leid von Tierschutzhunden zu sehen – dass es aber manchmal die falsche Entscheidung ist, nur aus dem Herzen heraus einen stark verhaltensauffälligen Hund aufzunehmen.

Wir sind immer für euch da, ihr könnt euch jederzeit anvertrauen. Wir helfen, egal wie groß das Problem ist – oder eben auch wie KLEIN. Lasst uns doch so Hand in Hand arbeiten, dass die fetten Probleme verhindert werden können.

von Miriam Hack _

Ressourcenaggression - Ein Fallbeispiel

Ich habe momentan viel Kontakt zu Paaren mit Baby und Hund und habe ein eindrückliches Beispiel für Ressourcenaggression erlebt, das ich gerne mit dir teilen würde.

Die Geschichte:

Ein Paar bekommt ein Baby. Wenige Wochen später fängt der Hund an, Essen zu verteidigen. Und zwar sowohl sein Futter, als auch menschliches Essen. Das Paar hat das zum Glück recht schnell bemerkt, da es versiert in der Hundesprache war. Das heißt: Der Hund wurde steif, hatte einen starren Blick, fing an zu knurren. Es kam noch nicht zum Schnappen oder Beißen, zum Glück.

Was war hier los?

Um fair mit Hunden zu sein, müssen wir immer auf Spurensuche gehen was die Motivation hinter einem Verhalten ist. Hunde agieren nie grundlos!

Ressourcenaggression entsteht sehr häufig aus einem Gefühl von Mangel. Der Mangel des Hundes war in diesem Beispiel ein Mangel an Zuwendung.

Das Baby war – natürlich – sehr im Vordergrund, das Paar mit seinem neuen Alltag beschäftigt… Und der Hund plötzlich stark verunsichert, wo er in dem Sozialgefüge noch seinen Platz hat. Dabei ist wichtig zu wissen: Für Hunde bedeutet ein konsequentes und anhaltendes Ignorieren „du bist in dieser Gruppe nicht erwünscht„.

Durch den Kontakt mit mir wurde das dem Paar erst bewusst und sie bauten zumindest kleine Kontaktinseln ein – zum Beispiel öfters mal eine Minute kuscheln auf der Couch NUR mit dem Hund, statt den Haushalt zu machen. Das Problem erledigte sich sofort wie von selbst, der Hund hat kein Thema mehr mit Futter.

Jetzt stell dir bitte vor, man wäre zu pauschal an das Thema herangegangen.

Hätte vielleicht gesagt „Statusproblem„! Der Hund nimmt sich etwas heraus das ihm nicht zusteht. Er will im neuen Familiengefüge der Boss sein. Man hätte ihn eingeschränkt, kleiner gemacht. Was hätte das mit einem Hund gemacht, der gerade verunsichert ist weil er sich nicht gesehen fühlt?!

Hunde wollen gesehen werden und sie sind komplexe soziale Lebewesen.


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