Kekse

„Ganz im Sinne meiner Hunde 😂 Find ich gut, dass du da mal einen Fokus drauf setzt“ – schrieb mir eine Teilnehmerin gestern nach meiner Gruppenstunde im Umweltsicherheitkurs.
Worum gings?
Um Kekse. 😄

Wer mich von früher kennt der weiß, dass ich den Umgang mit Leckerlis grundsätzlich abgetan habe.
Meine Labels im Kopf waren „Bestechung“, „Dressur“, „keine Führungskompetenz“, „Abhängigkeit von Hilfsmittel“, „fehlende Beziehungsgespräche“ und einiges mehr.
Ich war felsenfest davon überzeugt, dass man mit jedem Hund nur auf Hündisch kommunizieren muss, und es läuft.
Und dann kam Dino.
Und er sagte nein zu mir.
Jahrelang.

Ich reflektiere viel, ich schaue gern aus der Vogelperspektive auf mich und ich bin selbstkritisch.
Und ich kam an den Punkt zu verstehen, dass mein Weg keinen Zugang zu diesem Hund ermöglicht.
Gott sei Dank!! Sonst wäre ich so eingefahren geblieben und hätte mich auch in so viele Menschen und Hunde nicht adäquat einfühlen können.
Ich kaufte also Kekse. 😅
Erst kam ich mir tatsächlich irgendwie schäbig vor, als würde ich meine Prinzipien aufgeben und mir etwas erkaufen.
Aber dann sah ich, wie mein Hund plötzlich „JA“ sagte.
Wie ich endlich Weichheit in ihn bekam.
Wie wir nach und nach VIEL mehr meistern konnten, weil ich ihm die Welt schönkeksen konnte.
Wisst ihr, meine ersten Jahre als Hundetrainerin fühlten sich einfach geil an.
Ich dachte, ich habe den Schlüssel zum Hund und den heiligen Gral in der Hand. Ich könnte jedem total einfach zum großen Glück verhelfen.
Was war das für ein befriedigender Höhenflug. 😄
Ich bewegte mich in einer Bubble voller Trainer, die genau das eifrig nach außen kommunizierten. Total überzeugt.
Und was war mit den Menschen, denen dieser Umgang mit dem Hund nicht weitergeholfen hat?
Die waren quasi selber schuld. Zu inkonsequent. Zu unklar in ihrer Sprache. Zu wenig Seminare bei den Trainern besucht. 😉
Oder, heute mein liebstes Aufreg-Thema: Wenn es keine andere Erklärung mehr gab, dann hieß es: Dein Hund spiegelt dir ein Thema. Er wird sich nicht ändern, wenn du dich nicht änderst. Er will dir etwas aufzeigen. Er ist dein Lehrmeister.
Gut, oder? So war nie die Anleitung in der Hundeschule falsch. 😅
Bei einem „du musst dich ändern, da ist irgendein Thema“ fühlen sich doch die meisten ertappt. Wer hat bitte kein Thema. Der Spruch geht immer.
Und ja, manchmal stimmt das natürlich! Manchmal ist es aber auch nur Bequemlichkeit des Trainers, das in den Ring zu werfen. Dann ist er nämlich raus.
Es tat mega weh, einzusehen, dass ich nicht alles wusste.
Im Gegenteil.
Je mehr ich weiter dazulernte, desto mehr merkte ich, wie WENIG ich wusste.
Bis heute vermisse ich manchmal dieses Höhenflug Gefühl, alle retten zu können, weil ich so einen einfachen Weg an der Hand habe.
War geil!
War aber nicht kompetent. War auch nicht empathisch.

Und so stehe ich heute da, mit einem großen Methodenkoffer, kann irgendwie immer noch was aus dem Hut zaubern. 😄
Und da ist dieses leisere, zartere, aber noch viel schönere Grundgefühl in mir während ich arbeite, das mir sagt: „Du bist ein Reiseführer, der viele Pfade kennt, und gemeinsam mit dem Menschen vor dir probierst du aus, welcher Weg ihn zu seinem persönlichen Ziel führt. Manchmal findest du für ihn Abkürzungen. Manchmal zeigst du ihm einen Weg, den er übersehen hat. Und manchmal läufst du einfach neben ihm und ermutigst ihn, weiterzugehen. Und auch das ist wertvoll.“
Heute möchte ich Menschenaugen und Hundeaugen leuchten sehen.
Und es wird mir immer egaler, wie genau der Weg dahin aussieht.
Weil es nicht um mein Ego geht.
Und weil mich MEIN größter Lehrmeister so viel Demut gelehrt hat.
Darauf nen Keks! Für mich. 😉


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